Krzysztof und Zofia Komeda. Foto:Vibeke Winding
Filmprogramm zum 80. Geburtstag von Krzysztof Komeda
Wenn im Abspann eines Hollywood-Movies – meistens ist es eines von Roman Polański – der Name „Christopher Komeda“ auftaucht, gehen bei Musikliebhabern die Augenbrauen nach oben. Der Arzt, Filmkomponist und Jazzpianist mit dem Geburtsnamen Krzysztof Trzciński ist auch 40 Jahre nach seinem Tod unvergessen. Sein Album „Astigmatic“ mit Tomasz Stańko und Zbigniew Namysłowski hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen und seine Soundtracks für „Tanz der Vampire“ oder „Rosemary’s Baby“ machten die Filme zu Klassikern.
In ihrem filmischen Essay versucht sich Claudia Buthenhoff-Duffy nicht nur dem Musiker zu nähern, sondern auch das Lebensgefühl seiner Ära, der Fünfziger- und Sechzigerjahre, einzufangen. Sie folgt dem Künstler chronologisch durch die Zeit von Kriegsende, Aufbruch, Erstarrung und Flucht in die Freiheit sowie geografisch durch Polen, Skandinavien, Frankreich und die USA. Namhafte Zeitgenossen wie Andrzej Wajda, Tomasz Stańko, Jerzy Skolimowski und natürlich Roman Polański kommen zu Wort und versuchen, den Mythos Komeda zu ergründen.
LUX.kino am Zoo
Seebener Str. 172
06114 Halle/Saale
Eintritt: je 6 / 5 EUR
Termine:
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26.09.2011, Montag, 20:15
Krzysztof Komeda – A soundtrack for a life R: Claudia Buthenhoff-Duffy D 2010, 52 min, dt. OF in Anwesenheit von Claudia Buthenhoff-Duffy (Regie)
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30.09.2011, Freitag, 22:30 01.10.2011, Samstag, 18 Uhr The fearless vampire killers / Tanz der Vampire R: Roman Polański USA 1967, 91 min, OmdU Musik: Krzysztof Komeda
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In Polen genießt wird er wie ein Nationalheld verehrt und nicht nur dort genießt er Kultstaus: der Pianist und Komponist Krzysztof Komeda. Er war einer der großen Lyriker des Klanges, der Gedichte so bedeutender Literaten wie Czeslaw Milosz vertonte und Musik zu Filmen jener Welle des neuen polnischen Kinos komponierte, die sich vor allem mit dem Namen Roman Polanski verknüpft. Zugleich öffnete er dem Jazz neue Ausdrucksmöglichkeiten. Er erschloss der in Amerika entstandenen Musik eine europäische Dimension, schuf prägnante Kompositionen und eröffnete der Improvisation zuvor ungeahnte Freiräume.
Krzysztof Komeda, geboren 1931 als Krzysztof Trzcinski begeisterte sich bereits während seines Medizinstudiums für den Jazz, der damals im stalinistisch regierten Polen in Keller und Privatwohnungen verbannt wurde, mithin nicht öffentlich gespielt werden durfte. Um seine musikalischen Aktivitäten als Pianist vor seinen Kollegen zu verbergen nahm der junge Arzt den Namen Komeda an. Das erste polnische Jazzfestival 1956 in Sopot, das Komeda mitorganisierte und bei dem er mit seiner Band gefeiert wurde, symbolisierte den Ausbruch aus der so genannten „Katakombenära“ und den Ankunft des Jazz im öffentlichen Kulturleben Polens.
Ein Jahr später, beim zweiten polnischen Jazzfestival kam es zu einer ersten Begegnung von polnischen und deutschen Musikern wie Albert Mangelsdorff. Joachim Ernst Berendt, der die „deutsche Delegation“ begleitete, schrieb später: „Das Wort ‚Jazz’ wurde in Polen zum Symbol für Freiheit. In keinem anderen Land hatte Jazz je eine so große politische Bedeutung. Jazz gewann in Polen Signalfunktion. Und Komeda war dabei eine Schlüsselfigur.“
1965 gelang Krzysztof Komeda ein Geniestreich: die Aufnahmen für die Platte „Astigmatic“ weisen in ihrer Einheit aus Freiheit und Form weit über ihre Zeit hinaus. Neben seiner Arbeit als Pianist und als Bandleader ist Krzystzof Komeda auch als Komponist hervorgetreten. Besonders eng verbunden war er mit dem Regisseur Roman Polanski, den er bereits 1957 auf der Filmschule in Lodz kennen lernte. Dem Ruf Roman Polanskis folgend, ging Komeda im Januar 1968 nach Amerika, wo er u. a. die Musik für den Film „Rosemary’s Baby“ komponierte. Im Dezember kam es zu einem Unfall, dessen Umstände nie geklärt wurden. Monatelang lag Komeda im Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Im April flog man ihn nach Warschau, wo er am 23. April 1969 starb – vier Tage vor seinem 38. Geburtstag.
Im Spiel von Wegbegleitern und Nachgeborenen ist Komedas Musik gegenwärtig präsenter als je zuvor. Tomasz Stanko, Adam Pieronczyk, Leszek Mozdzer und viele andere widmen ihm Tribute-Alben. Und auch in New York entstand ein „Komeda Project“.
Zu den deutsch-polnischen Jazz-Beziehungen zählt auch die Begegnung des Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky mit Krzysztof Komeda anlässlich eines Jugendlagers in Graal-Müritz in den fünfziger Jahren. Komeda, erinnert sich Petrowsky, spielte damals Akkordeon. Und auch diesem Instrument entlockte er einen eigenen Klang, der Meister der musikalischen Lyrik.
Bert Noglik